Grossbritannien

Die Entwicklung von Little Willie

Little Willie im Testeinsatz mit angehängtem Auslieger für bessere Lenkbarkeit

Zu Beginn des 1.Weltkrieges, 1914 standen keinerlei Fahrzeuge zur Verfügung welche die Bezeichnung Kampfpanzer verdient hätten. Für den festegefahrenen Stellungskrieg mussten entsprechende Fahrzeuge entwickelt werden, um die feindliche Linien zu durchrechen. Die britische Heeresleitung konnte den Ideen nicht wirklich etwas abgewinnen. Offensichtlich unterschätzte man auch im britischen Empire, genauso wie anderswo, das potential von Kampfpanzern in der modernen Kiegsführung. Winston Churchill, damals Marineminister, sah dieses etwas anders und erklärte als Vorsitzender des Landship Commitee das Projekt zur Marineangelegenheit. Die Idee des Landships (Landschiff) wurde recht schnell, schon im Juni 1915, nach einigen erfolgosen Entwürfen wieder verworfen. Unter anderem der so genannte Killen-Straight-Tractor mit 3 Gleisketten. Man forderte nun ein gepanzertes, kettengetriebenes Fahrzeug mit 6,5 km/h Höchstgeschwindigeit, 20 Meilen Reichweite und zehn Mann Besatzung, bewaffnet mit zwei Maschinengewehren und einer Kanone. Ausserden sollte es bis zu 2,5 m breite Gräben überwinden können und 1,5 m hohe Steilwänder erklimmen können. Am 29. Juli 1915 bekam Sir William Tritton, der Direktor der Landmaschinenfabrik „William Foster & Co. Ltd“ in Lincoln (Lincolnshire), den Auftrag eine nach ihm benannte „Tritton Machine“ mit zwei Gleisketten zu konstruieren.Der original Little Willie im Bovington Tank Museum Chefentwickler William Rigby war verantwortlich für das Projekt und entwarf auf der Basis eines gebrauchten Traktor-Fahrwerkes von der Bullock Creeping Grip Tractor Company aus Chicago ein Fahrzeug mit sieben anstatt der vier bisher verwendeten Laufrollen, somit längeren Ketten und verbesserter Aufhängung. Die Lenkbarkeit der Number 1 Lincoln Machine liess jedoch zu wünschen übrig, trotz der durch Tritton schon 5 Tage nach Anfang der Arbeit an dem Prototyp, am 15. August 1915, ergänzten nachlaufenden Räder mit 1,37m Durchmesser, welche nur für leichte Kurven brauchbar waren. Steuern dieses Fahrzeuges war sonst nur mit Hilfe von Kettenbremsen möglich. Bei dieser Art der Lenkung wurde der Erdboden von den Ketten derart aufgewühlt, dass relativ schnell festgestellt wurde das diese Kettenform und -führung zu sehr starken Schwierigkeiten führen würde. Ein anderes Fahrwerk wurde konstruiert um diese Herausforderung zu nehmen, schon wurden weitere Probleme festgestellt. Wenn ein Fahrzeug eine Graben überqueren wollte, hingen die Ketten durch und verklemmten. Das Eingewicht der Kettenglieder war so enorm das auch spannen der Ketten nicht den gewünschten Effekt brachte. Weitere Verbesserungen an den Ketten, integrierte Führungszähne welche die Ketten auf dem Laufwerk hielten, schienen die einzige Lösung zu sein. Das Laufwerk selber war mit gefederten Spindeln an der Wanne befestigt, die Federung war eher unzureichend. Durch diese Modifikationen wurde das Gefährt zwar recht langsam, jedoch sah man keine Alternative und behielt diese Prinzip bei allen nachfolgenden britischen Modellen bis zum Mark VIII bei. Am 22. September 1915 fuhr Little Willie das erste mal über das Gelände der Firma Foster.




Das Innenleben

Die Wanne des nun von der Boulevardpresse Little Willie getauften Prototyps bestand nicht aus Panzerstahl, sondern aus nur 10 mm starken Dampfkessselplatten die auf einen Rahmen aus Winkeleisen aufgenietet wurden. Der Name Little Willie sollte wohl eine Anspielung auf den deutsche Thronfolger Kronprinz Wilhelm sein. Die Handhabung und Bedienung von Little Willie war sehr schwer und kompliziert. So waren zwei Fahrer notwendig die in der Front ihren Platz fanden. Fahrer 1 bediente Lenkrad, Kupplung, Gashebel und das vordere Getriebe, der andere war allein dafür notwendig die Bremsen zu bedienen, welche ja auch für Lenkbewegungen sehr wichtig waren. Zwei weitere Männer bedienten die Kanone und wieder zwei bedienten das hintere Getriebe. Minimal-Besatzung waren also 6 Mann, allein um das Fahrzeug zu manövrieren und die Hauptwaffe zu bedienen. Das Heck der Wanne wurde durch den 105 PS Daimler-Motor ausgefüllt welcher ohne Benzinpumpe auskam, dänisches Madsen Maschinengewehr mit Magazind.h. der Zwillings-Benzintank war oberhalb des Motors angebracht und der Kraftstoff wurde durch die Schwerkraft dem Motor zugeführt. Oberhalb der Benzintanks befand sich der starre Turm. Das Anfangs dort eingebaute Maschinengewehr wurde durch eine Vickers 2-Pounder Kanone ersetzt, weitere 6 Maschinengewehre konnten aus der Wanne heraus bedient werden weiter befanden sich 800 Schuss Munition für die Hauptwaffe im Inneren. Anfängliche Überlegungen den Turm auf Schienen beweglich zu machen um ihn bei Bedarf nach vorn schieben zu können wurden recht schnell wieder fallengelassen. Trotz der sehr geringen Geschwindigkeit vo ca. 3,4 km/h (2 Meilen) passierte es bei Lenkmanövern immer wieder das eine der beiden Ketten die durch einen Seilzug durchgeführten Lenkbewegungen nicht ausführte, sich vom Laufwerk löste und einfach geradeaus weiterlief.




Das Ende von Little Willie

Little Willie hatte einigen grundlegende und gravierende Mängel, die den Mindestanfoderungen nicht genügten, also fing man schon parallel am 17. September mit der Entwicklung von Big Willie an. Unter Berücksichtugung der bei Little Willie gewonnen Erkenntnisse konstruierte man einen Tank in rhombenform,Mark I Prototyp Mother im Hatfield Park, 1916 mit  zwei um die Wanne herumlaufenden Gleisketten. Little Willie wurde zwar noch weiter verbessert, konnte aber gegen die Neuentwicklung Big Willie nicht bestehen und die Arbeiten an Little Willie wurden im Dezember eingestellt. Offiziell war der Tank immer noch ein Landship so hiess der zweite Prototyp offiziell His Majesty’s Land Ship (HLMS) Centipede oder auch Mother. Dieses später als Mark I bezeichnete Modell war der erste Panzer der zur Massenfertigung freigegeben wurde. Obwohl Little Willie nie in einen Kampfeinsatz ging, war er doch der erste bis zur Fahrtauglichkeit entwickelte Kampfpanzer der militärgeschichte und somit ein Meilenstein in der Entwicklung moderner Waffensysteme. Der französische Schneider CA1, war zwar schon ab Januar 1915 in Entwicklung, wurde aber erst im Januar 1916 fertiggestellt. Von Little Willie ist heute nour noch die Hülle erhalten, welche man 1940 vor der Verschrottung retten konnte. Man kann ihn heute im Bovington Tank Museum besichtigen.

technische Daten von Little Willie

entwickelt ab Juli 1915
Produktion August – September 1915
Klassifikation 1
Länge ohne Spornräder 5,45 m
Breite 2,80 m
Höhe inkl. Turm 3,05 m
Höhe ohne Turm (nach Umbau) 2,41 m
Gewicht 18,289 t
Federung keine
Geschwindigkeit Straße 3,4 km/h max.
Geschwindigkeit Gelände 1 km/h
Reichweite ?
Grabenüberschreitfähigkeit 1,20m später 1,50 m
Kletterfähigkeit 0,30 m später 0,60 m
Steigfähigkeit 30%
Hauptbewaffnung Vickers 2-pounder Kanone
Sekundärbewaffnung 6 Madsen Maschinengewehre
Panzerung ca 10 mm Kesselplatten
Triebwerk Foster-Daimler 6-Zylinder wassergekühlter Benzin-Reihenmotor
Triebwerksleistung 105 PS (78 kW)
Besatzung 6 Mann
Leistungsverhältnis 6 PS pro Tonne Gewicht