Mark I

Mark I – die erste Serienproduktion

Nach der ersten erfolgreichen Probefahrt von Big Willie, als parallele Neuentwicklung zum kleinen Bruder Little Wille im Januar 1916, fiel die Entscheidung zur Serienproduktion des nun als Mark I bezeichneten Kampfpanzers. Gleichzeitig begann man mit der Auswahl und der Schulung der vorgesehenen Besatzung und unter strengster Geheimhaltung wurden die ersten Panzertruppenteile aufgestellt. Es wurde entschieden die neue Waffe im Maschinengewehrcorps in vier Kompanien zu jeweils vier Zügen und sechs Tanks zu schweren Abteilungen zu gliedern.





Schwierigkeiten während des Einsatzes

Die Bedienung der Stahlkolosse stellte sich als sehr schwierig und kompliziert heraus. Der Mark I war nach heutigen Maßstäben sehr unzuverlässig und anfällig. lederne Gesichtsmaske wie sie von der Besatzung des Mark I getragen wurdeDie achtköpfige Standardbesatzung hatte alle Hände voll mit der Bedienung der schwerfälligen Maschine zu tun. Der Benzinmotor verursachte einen solch ohrenbetäubenden Lärm in Innenraum dass eine Verständigung nur durch Klopfzeichen möglich war. Da kein gesonderter Stauraum für Munition und Proviant vorgesehen war bestand eine ständige Verletzungsgefahr durch hin und her rutschende Munitionskisten und andere Gegenstände. Das Innere des Mark I erhitzte sich durch die Motorwärme nicht selten auf bis zu 70°C, teilweise kam es dadurch zu Selbstentzündung der mitgeführten Munition, in der Enge des Kampfraumes war dies natürlich fatal.Mark I mit Tarnanstrich 1916 Auch ohne dieses Inferno war der Aufenthalt bisweilen unerträglich durch sich im Panzer ausbreitende Motorabgase und Pulverdämpfe. Zusätzlich trug die Besatzung dicke Schutzjacken und eine Gesichtsmaske, denn bei Beschuss lösten sich oft Nieten und Eisensplitter aus den Innenwänden und verursachten mitunter schwere, oft tödliche Verletzungen. Die anfänglich angehängte Lenkhilfe, welche auch bei Little Willie Verwendung fand, wurde schon ab November 1916 verworfen, da sie sich als nutzlos erwies. Auch die Kettenbremse die eigentlich für Lenkbewegungen gedacht wurde nicht benutzt. Die Bedienung erforderte die Kraft mehrerer Männer, dies war so unpraktikabel das man sich für Lenkbewegungen einen Alternative überlegen musste. Einzige Möglichkeit den stählernen Unhold zu lenken war das Ein- und Auskoppeln einer GleisketteMark I Male an der Somme 25. September 1916 über das Sekundärgetriebe umso indirekt eine Lenkbewegung auszuführen. Auch das Bedienen der Bewaffnung war mit Schwierigkeiten verbunden, es gab nur sehr einfach Zielvorrichtungen und wegen der mangelnden Bewegungsfreiheit in den Tanks konnten die Schützen weder sitzen noch aufrecht stehen. Die anfänglich noch aufgebrachte aufwändige Tarnlackierung wurde nach kurzer Zeit ersatzlos gestrichen – auf den schlammigen Schlachtfeldern des 1. Weltkrieges waren diese schlicht überflüssig da die Tanks nach kurzer Zeit onehin komplett mit einer Schlammschicht überzogen waren. Um feindliche Soldaten daran zu hindern Granaten auf die Oberseite der Tanks zu werfen wurden einfach Holz-Draht-Gestelle angebracht.




Britische Taktik im Einsatz

Beim Kampfeinsatz setze die britische Militärführung auf zwei Versionen des Mark I. Eine „Male“-Version (männlich) und eine „Female“-Version (weiblich), die Unterschiede lagen in der Bewaffnung.Mark I Male mit im Kanone im Seitenerker Beide Typen hatten seitlich, zwischen den Umherlaufenden Ketten, angebrachte Erker in denen die Hauptbewaffnung untergebracht war. Bei den Male-Exemplaren waren dies eine französische Ordnance QF-6-Pfünder Kanone von Hotchkiss et Cie welches eigentlich als Marinegeschütz gebaut wurde, an jeder Seite und vier Vickers .303 Maschinengewehre. Die Female-Variante hatte indes 6 Vickers Maschinengewehre, eine Kanone wurde hier nicht verbaut. Der Mark I Male wurde entsprechend offensiv eingesetzt um gegnerische Stellungen und Bunker zu beschießen und zu zerstören, der Mark I Female hingegen war eher eine Defensiv-Waffe und bot den Soldaten entsprechenden Feuerschutz und Deckung. Als Reaktion darauf konzentrierte sich die deutsche Artillerie auf die Bekämpfung der Tanks.feuernder Mark I Bei einem Treffer durch ein Artilleriegeschoss hatte der Mark I mit seiner, für heutige Verhältnisse, relativ schwachen Panzerung von nur 6-10 mm nicht entgegenzusetzen. Sogar Maschinengewehrfeuer, auf einen Punkt konzentriert, konnte die Panzerung durchschlagen und so der Besatzung gefährlich werden, ganz abgesehen von im Inneren der Tanks umherfliegende Nieten und abgeplatzten Splittern von der Innenwand. Der britische Offizier Ernest Dunlop Swinton äußerte die Idee, wiederum mit der eigenen Artillerie die feindliche auszuschalten, auch unter Zuhilfenahme der damals noch jungen, erst 1912 ins Leben gerufenen, Royal Flying Corps, den britischen Heeresfliegern 1912-1918. Erste taktische Ansätze der im 2. Weltkrieg von der deutschen Wehrmacht perfektionierten Blitzkrieg-Doktrin wurden hier deutlich.





Der erste Panzereinsatz – Flers 1916

Alle 49 verfügbaren Mark I wurden am 15. September 1916 das erste Mal eingesetzt, gegen die Empfehlungen des Erbauers, der die Stückzahl für nicht ausreichend hielt und außerdem der Meinung war die neue Waffe sei noch nicht ausreichend erprobt. eine missglückte Grabenüberschreitung eines Mark IEr sollte Recht behalten. Viele der Fahrzeuge bleiben aufgrund technischer Mängel liegen und wurden aufgegeben, die wenigen Tanks denen es gelang die feindlichen Linien zu durchbrechen, waren jedoch schlicht zu wenige um wirklich nachhaltig etwas zu bewirken. Einige Tage später wurden die verbleibenden Tanks noch ein zweites Mal eingesetzt, für 1916 waren dies die einzigen Einsätze. Die Briten hatten damit den Überraschungseffekt verspielt und auf Seite der Mittelmächte hätte man nun Zeit sich auf die neue Waffengattung einzustellen. Einige der Tanks wurden von deutscher Seite erobert mit den Hoheitszeichen der kaiserlichen Truppen gekennzeichnet und in der Schlacht von Reims 1918 gegen die Alliierten eingesetzt. Das einzige noch erhaltene Exemplar befindet sich heute im Bovington Tank Museum in Dorset- Südengland. Während des 1.Weltkrieges diente er wahrscheinlich als Fahrschulpanzer.

technische Daten von Mark I

Male Female
Gewicht 28t 27t
Länge 9,9m mit Steuerrad, 8,05m ohne Steuerrad
Breite 4,17m
Höhe 2,44m
Antrieb ein Benzinmotor mit 106 PS
Kettenbreite 52cm
Höchstgeschwindigkeit ca 6 km/h
Tankvolumen 227 l
Aktionsradius 36 km
Federung keine
Bewaffnung zwei QF-6-Pfünder-Kanonen, vier .303-Maschinengewehre sechs Maschinengewehre
Panzerung 6-10mm
Besatzung 8 Mann