Mark IX

Mark IX

Die Erfolge der neuen Waffengattung „Tank“ waren enorm, endlich war es gelungen den Kämpfen wieder Bewegung zu verleihen.britische Tanks in deutscher Reparaturwerkstatt Doch leider stellte sich schnell heraus dass ein Tank alleine keine Stellung einnehmen kann, geschweige denn einen Ort besetzen. Ohne Wirkungsvolle Infanterie ist jeder durch die Tanks errungenen Vorteil nicht von Dauer, da die Infanteristen mit den vorrückenden Tanks nicht schritthalten konnten. Das lag nicht am Tempo der Tanks, diese konnte sich sowieso nur im Schritttempo vorwärts bewegen, sondern am natürlich oft massiven Abwehrfeuer. Die Infanterie wurde schlichtweg zurückgeschlagen oder aufgerieben während die Tanks weiter vorrückten. britische Tanks in deutschem Panzerschwadron 1917Alleine auf dem offenen Feld stehende Tanks waren freilich nicht in der Lage errungene Positionen zu halten und mussten teilweise aufgegeben werden oder wurden erobert. So wurden bald auf deutscher Seite die ersten kaiserlichen Panzertruppen mit Beutepanzern aufgestellt. Mit dem Eisernen Kreuz versehen, um so genanntes „Friendly Fire“ zu verhindern, richtete man die Panzer gegen seine Erbauer. Tatsächlich fielen den deutschen Truppen so viele britische Tanks (meist Mark IV) in die Hände, dass sie die Anzahl der durch die Deutschen selbst produzierten Fahrzeuge bei weitem überstieg. In Sammellagern und Reparaturwerkstätten wurden die erbeuteten britischer Mark I beim verladen durch deutsche TruppenExemplare repariert und teilweise neu lackiert. Wieder war es an der Zeit dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Vorerst überlegte man die eingesetzten Panzer mit ein paar Infanteristen zusätzlich zu besetzen, welche dann nach erfolgreichem Vorrücken das Fahrzeug verlassen und die eroberte Stellung halten sollten. Der Plan ging leider nicht auf. Da das Innere der Tanks ohnehin sehr eng und durch Motorabgase vergiftet war, verschlechterte sich die Atemluft durch die zusätzlich aufgesessenen Soldaten so rapide, dass sie nicht selten schon nach kurzer Zeit Ohnmächtig wurden, oder nach Verlassen des Fahrzeuges für Stunden nicht einsatzfähig waren. Es gab immer noch keinen abgetrennten Motorraum in den Tanks. Lieutenant G.R. Rackham erhielt im Sommer 1917 den Befehl einen gepanzerten britischer Mark IX mit großen SeitentürenTruppentransporter zu entwickeln. Anfänglich versuchte man einen Spagat zwischen den neuen Anforderungen und dem parallel schon in Entwicklung befindlichen Mark VIII.  Mark VIII konnte allerdings erst ab 1919, also nach dem 1. Weltkrieg, eingesetzt werden. Diese anfänglichen Überlegungen wurden fallengelassen und noch 1917 begann man mit der Fertigung zweier Prototypen bei Armstrong-Whitworth in Newcastle-Upon-Tyne. 1918 erging dann ein Auftrag über 200 Exemplare des Mark IX an die Traktorenfabrik Marshall, Sons & Co. In Gainsborough. Bis zum Waffenstillstand am 11. November 1918 wurden lediglich 3 Tanks fertiggestellt. Insgesamt existierten 34 Mark IX.




Technik von Mark IX

Mark IX basierte im Wesentlichen auf Mark V. Die Hülle wurde auf 9,73 m verlängert, der Motor wurde im Bug platziert und das Getrieben im Heck. das Innere des Mark IXAlles was im inneren des Fahrzeug nicht zwingend notwendig war, wurde nach außen verlagert und so entstand im Inneren ein 4 m x 2,75 m großer Innenraum. 30 Infanteristen sollten hier Platz finden, einige Quellen berichten sogar von bis zu 50 Mann. Alternativ konnten mit Mark IX 10 Tonnen Material bewegt werden. Die Wanne wurde mit schweren Stahlträgern verstärkt, Sitzgelegenheiten waren hier nicht vorgesehen. Zu guter Letzt drehte sich im Inneren des Fahrzeugs Seitenansicht von Mar IXdie offen liegende Kardanwelle. Sehr bequem ist es offensichtlich nicht gewesen und man musste sich in Acht nehmen sich nicht zu verletzen. Die Besatzung bestand aus dem Fahrer, rechts davon saß der Kommandant, einem Mechaniker und einem MG-Schützen, der das MG im Heck des Mark IX bediente. Im vorderen Bereich war ein zweites Maschinengewehr angebracht. Aus jeweils 2 großen Türen pro Seite konnte man das Gefährt besteigen oder verlassen. In jeder Seite waren außerdem acht Gewehrluken angebracht, womit der Mark IX eigentlich erst zum Schützenpanzer wurde. Die Panzerung bestand aus 10 mm Panzerstahl und erhöhte so das Gewicht des Kolosses auf 27 Tonnen. Aufgrund des hohen Gewichtes hatte Mark IX eine recht geringe Maximalgeschwindigkeit von ca. 7 km/h. Zusätzlich konnte auf dem Dach des Mark IX, in Behältern hinter der Kommandantenkuppel, weiteres Material deponiert werden und man konnte mit dem Fahrzeug bis zu 3 beladenen Schlitten ziehen. Versuche von Rackham das innere des Tanks etwas behaglicher zu gestalten schlugen aufgrund der fehlenden Trennzum Schwimmpanzer umgebauter Mark IXung zwischen Mannschaftsraum und Maschinenraum fehl. Er montierte zusätzliche Ventilatoren auf dem Dach und einen besseren Schalldämpfer, ob dies wirklich half die Verhältnisse innerhalb zu verbessern ist fraglich. Der Mark IX wurde noch einige Jahre nach dem 1. Weltkrieg weiterverwendet und hatte den Spitznamen „The Pig“ erhalten. Seine markante Frontpartie erinnerte die Soldaten wohl an eine Schweineschnauze. Zwei der drei ersten Exemplare haben eine besondere Entwicklung genommen. Einer wurde als gepanzerte Ambulanz eingesetzt, der andere wiederum zu einem Schwimmpanzer umgebaut. Auf dem Dollis Hill Testgelände brachte man große Lufttanks an den Seiten und an der Front an und versah die Kettenglieder mit hölzernen Paddeln. Fotografisch festgehalten wurden versuchen mit diesem umgebauten Mark IX am 11.November 1918 im Hendon Reservoir. Der Spitznamen „The Duck“ für dieses Fahrzeug ist zwar durch nichts belegt, dennoch naheliegend.

Das einzige noch erhaltene Exemplar von Mark IX steht heute im Bovington Tank Museum.

technische Daten von Mark IX

Besatzung 4 – Fahrer, Mechaniker, Kommandant, MG-Schütze
Länge 9,7 m
Breite 2,5 m
Höhe 2,64 m an der Kommandantenkuppel
Leergewicht 27 t
Panzerung 10 mm
Hauptbewaffnung 2 x 7,7×56 mm R Maschinengewehre
Sekundärbewafnnung 8 Gewehrluken
Federung keine
Geschwindigkeit 6,9 km/h max.
Reichweite ?
Antrieb Ricardo-6-Zylinder-Benzinmotor 150 PS (112 kW)
Leistung/Gewicht 5,6 PS/t